Natuscha, das Naturparkschaf

Schafe und Schäfer

Wie der Mensch aufs Schaf kam
Warum nicht alle Schafe gleich aussehen
Was es heißt, heute Schäfer zu sein
Warum man im Naturpark über Schafe und Schäfer erzählt

Wie der Mensch aufs Schaf kam
Ein Stück Schafgeschichte

Wie der Mensch aufs Schaf kam

Vermutungen zufolge lässt sich die Schafhaltung bis in die frühe Jungsteinzeit zurück-
verfolgen. Dass es im Laufe der Jahrtausende die ganze Welt erobert hat, verdankt das Schaf vor allem seiner ausgeprägten Genügsamkeit, Robust-
heit und vielfältigen Nutzbarkeit.

Bis heute stellt der wollige Wiederkäuer kaum Ansprüche an Nahrung und Umgebung und wird deshalb seit Jahrhunderten für die Bewirtschaftung ertragsarmer Grünlandflächen eingesetzt. Die andauernde Schafbeweidung hat ihre Spuren hinterlassen. Entstanden sind wertvolle Lebensräume und Landstriche von bizarrer Schönheit: Ein typisches Beispiel sind unsere Wacholderheiden. Sie wurden und werden durch den steten Verbiss der Tiere vor dem Zuwachsen bewahrt.

Eine fundamentale Rolle kam dem Schaf im Rahmen alter Wirtschaftssysteme zu: Hier wurde es als Lieferant für Fleisch und Milch geschätzt. Es diente außerdem der Gewinnung von Rohstoffen wie Fetten und Därmen, die zur Produktion von Kerzen, Leim und Seifen genutzt wurden. Vorrangig hielt der Mensch das Schaf aber um seiner Wolle willen, um daraus allerhand nützliche Dinge herzustellen und damit Handel zu treiben. In der heutigen Landwirtschaft spielt das Schaf aber eine eher untergeordnete Rolle.

Warum nicht alle Schafe gleich aussehen

Weltweit gibt es heute mehr als 300 verschiedene Schafrassen. Sie veranschaulichen in eindrucksvoller Art und Weise, welch unterschiedliche Erscheinungsformen ihre Anpassung an die jeweiligen Standortbedingungen herausgebildet hat. Hier ein paar Beispiele:

  • Haarschafe: Sie stammen aus dem afrikanischen Raum. Zwecks Überwindung großer Strecken hat sich im trockenen Sahel eine langbeinige und im feuchtheißen Klima Westafrikas eine kurzbeinige Untergattung entwickelt.
  • Grobwollige Fettsteiß- oder Fettschwanzschafe: Sie leben im vorderasiatischen Raum und können dank ihrer Fetteinlagerungen auch langwierige Futterengpässe kompensieren.
  • Fleischschafe: Sie haben zum Teil eine feinere Wolle und werden an gemäßigten Standorten zur Ausnutzung guter Futterverhältnisse genutzt.

Schafrassen werden nach ihrem Wolltyp (Vlies), ihrem Verwendungszweck (Nutzung) oder dem Grad ihrer züchterischen Bearbeitung untergliedert. Die in Deutschland verbreiteten Rassen unterteilt man in Merinoschafe, Fleischschafe, Milchschafe und Landschafe. Als Stammform des europäischen Hausschafes gelten der Mufflon und der Arkal.

In der Systematik der Säugetierordnung ordnet man das Schaf zunächst den Huftieren und schließlich den wiederkäuenden Paarhufern zu. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 10-12 Jahre, in Ausnahmefällen können sie bis zu 20 Jahre alt werden.

Was es heißt, heute Schäfer zu sein - vermeintliche Schäferidylle

Schäferidylle?

Schäfer sein - die reine Idylle? Leider nein. Schäfer sein heute ist mehr denn je ein Überlebenskampf, der Zähigkeit, Durchhaltevermögen und eine den Umständen immer wieder trotzende Begeisterung erfordert. Denn für die meisten Schäfer heute heißt es: arbeiten ohne zu jammern - und zwar von 5 Uhr bis 22 Uhr an 365 Tagen im Jahr.

Außerdem brach der Preis für Wolle mit Einführung der Kunstfasern ein und Importe aus Übersee verschärfen heute die Situation der Schäfer immer weiter.

Warum man im Naturpark über Schafe und Schäfer erzählt
Ziele des Naturparks

Ziel im Naturpark Obere Donau ist der Erhalt einer über Jahrhunderte hinweg entstandenen und aus speziellen Nutzungszusammenhängen heraus gewachsenen Kulturlandschaft sowie die nachhaltige Nutzbarmachung der Landschaft für den sanften Tourismus.

Während im Süden und Osten des Naturparks der Ackerbau vorherrscht, überwiegt im Bereich des Großen Heubergs und der Zollernalb klimabedingt und aufgrund der geringen Bodenmäch-tig-keit die Grünlandnutzung. Der Schafbeweidung kommt hier eine große Bedeutung bei der Offenhaltung der Landschaft zu. Wacholderheiden und Kalkmagerrasen mit ihrer Vielzahl seltener und be-drohter Pflanzen- und Tierarten wachsen häufig an steilen südseitigen Hängen und würden ohne die permanente Pflege durch die Mäuler der gefräßigen Schafe und Ziegen in kürzester Zeit verbuschen und allmählich in Wald übergehen, was auch aus Sicht der Erholungsnutzung überaus nachteilig wäre.

Um diese Zusammenhänge wieder in das Bewusstsein der Bevölkerung, der Touristen und der Schäfer und Landwirte selbst zu rücken, befasst man sich im Naturpark mit Schafen und Schäfern.