Natuscha

Wunderfaser Wolle

Wolle und ihre Eigenschaften
Wolle und ihre Aufbereitung
Wolle und ihre Verarbeitung
Färben mit Naturfarben - Grundrezept


Wolle und ihre Eigenschaften

"Würde eines Tages berichtet, dass eine Textilfaser entdeckt worden sei, die unter freiem Himmel oder in einfachen Gebäuden mit geringem Energieverbrauch und ohne gefährliche Abfallprodukte erzeugt werden kann, dazu noch in verschiedenen Feinheiten und Längen, unser Interesse wäre geweckt. Würde weiter bekannt, die Faser sei leicht zu veredeln, zu färben und mit anderen Fasern zu mischen, sei giftfrei und hautfreundlich, elastisch, lärmdämmend, wärme- und feuchtigkeitsausgleichend, schmutz- und wasser-abstoßend, schwer entflammbar, leicht zu reinigen und fast knitterfrei, wiederverwendbar und hundertprozentig biologisch abbaubar, welchen Namen würden wir dieser Faser geben? Wahrscheinlich würde man von einer Wunderfaser sprechen." (Kerstin Gustafsson und Alan Waller)

Wer schon einmal eine Herde Schafe bei minus 20 °C mit Raureif bedeckt und friedlich wiederkäuend in einem Pferch liegen sah, ahnt schnell, um welche Faser es sich handelt: natürlich um die Wunderfaser Wolle. Hier ein paar Beispiele für ihre außerordentlich vielfältigen Eigenschaften:

  • Wolle ist wärme- und feuchtigkeitsregulierend
    Wolle kann bis zu einem Drittel ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich dabei nass anzufühlen. Ist die Umgebung trocken, gibt sie diese Feuchtigkeit wieder nach außen ab. Winzig kleine gekräuselte Wollhärchen tragen dafür Sorge, dass dabei keine Verdunstungskälte entsteht. Beim Prozess der Feuchtigkeitsaufnahme entsteht sogar Wärme.
  • Wolle ist schmutz- und wasserabstoßend
    Ein Restgehalt von Wollfett und eine Art Schutzmantel der Wollfasern macht Wolle unempfindlich gegenüber äußeren Einflüssen. Diese Eigenschaft setzt jedoch voraus, dass Wolle schonend gewaschen und keiner chemischen Behandlung ausgesetzt wird.
  • Kleidung aus Wolle ist hautfreundlich
    Die Luftdurchlässigkeit von Wollkleidung begünstigt die Atmung der Haut und sorgt für einen Ausgleich elektrostatischer Ladungen. Sie regt überdies den Kreislauf durch Mikromassagen an und wirkt auch Ermüdungserscheinungen entgegen.
  • Wolle wirkt lärmdämpfend
    Durch den Einschluss von Luft zwischen den Wollfasern kann ein Faserverbund Schall sehr gut absorbieren.
  • Wolle ist biologisch unbedenkllich
    Wolle wächst sozusagen "von ganz allein". Sie kann also mit geringem Energieverbrauch und ohne chemische Zusätze oder gefährliche Abfallprodukte hergestellt werden und lässt sich überdies problemlos recyceln und kompostieren.
  • Eine Handvoll Wolle ist eine halbe Hausapotheke
    Rohwolle hilft dank ihres hohen Gehalts an Wollfett (Lanolin) als sogenannte "Heilwolle" bei Leiden wie zum Beispiel Rheuma, Gelenk- und Nervenentzündungen, Verstauchungen, Zerrungen, Muskel- und Nervenschmerzen, Bronchitis und Halsweh.

Wolle ist nicht gleich Wolle

Wolle ist nicht gleich Wolle

Die Wolle verschiedener Schafrassen hat höchst unterschiedliche Eigenschaften. So verfilzt ein Pullover aus Merinowolle schon bei einer "falschen" Wäsche, während sich aus der Wolle anderer Schafrassen trotz eifrigem Bemühen kein taugliches Filzprodukt herstellen ließe.

Wollsorten unterscheiden sich aber nicht nur durch bestimmte Einzeleigenschaften, sondern vor allem durch ihre Eigenschaftskombinationen, die wiederum die jeweilige Wollqualität bestimmen. Schon am Vlies erkennt man die Unterschiede in der Güte der Wolle.

Qualitätsminderungen und Wollfehler ergeben sich vor allem durch die Fütterung und Haltung der Schafe, durch die Schurbedingungen und die Lagerung der Rohwolle. Der sogenannte Reinwollertrag ist außerdem von dem Grad der Verunreinigung der Tiere abhängig. So setzt sich die "Schweißwolle" nach der Schur in etwa so zusammen:

20 - 70% Wollfaser
10 - 30% Wollfett und Schweiß
10 - 50% Vegetabilien (Stroh, Heu, Kletten ...) und Schmutz (Kot, Lehm, Sand ...)

Schafwolle genau betrachtet

Schafhaare sind keine "Einzelkämpfer", sondern klammern sich beim Wachsen immer an die "Nachbarhaare". Ein solcher Haarbüschel hat darum bei Fachleuten einen eigenen Namen: Sie nennen ihn "Stapel" und bezeichnen das zusammenhängende Wollkleid eines Schafes als "Vlies".

Jede einzelne Wollfaser im Stapel ist mit einem Wollfett (Lanolin) eingefettet, welches das Vlies so dicht zusammenhält, dass sich auf der Haut des Schafes eine Art Wollmantel bildet: eine wasserabweisende und wärmende Decke aus Wolle.

Das Wollfett besitzt die Fähigkeit, Giftstoffe zu binden, die mit dem Schweiß über die Haut des Schafes ausgeschieden werden. Das aus Wollfett extrahierte Lanolin wird dank seiner besonderen Eigenschaft auch als Salbengrundlage für Kosmetika und in der Pharmazie verwendet.

Die Faserstruktur im Detail

Faserstruktur

Unter dem Mikroskop entdeckt man bei 2000-facher Vergrößerung, dass die Wollfaser einem Fichtenzapfen ähnelt: Die schindelartig angeordneten Zellplättchen (Epidermisschuppen) zeigen in Richtung Faserspitze.

Diese "Oberhaut" der Wollfaser kann Wasser aufnehmen - jedoch nur in Form von Dampf und nicht als flüssiges Wasser. Wegen dieser Eigenschaft perlt Regenwasser an der Wolle ab, während Schweiß von ihr aufgenommen wird. Die "Oberhaut" der Wollfaser ist übrigens auch dafür verantwortlich, dass Wollfasern verfilzen können.

Unter der Schuppenschicht liegt die Rindenschicht, die den Hauptbestandteil der Faser ausmacht. Diese Rindenschicht (Cortex) ist aus spindelförmigen Fibrillen aufgebaut und besteht aus zwei Strängen, die wie bei einer Kordel umeinander gewunden sind. Die unterschiedliche chemische Zusammensetzung der beiden Stränge sorgt für ein unterschiedliches Quellvermögen, das wiederum die Kräuselung, die Elastizität und das Erholungsvermögen der Wolle begründet.

Im Inneren der Wolle befindet sich ein Markkanal, der das Aussehen der Wolle mitbestimmt. Je kräftiger er ausgebildet ist, desto glänzender und weniger gekräuselt ist die Wolle. Bei feiner und sehr stark gekräuselter Wolle fehlt dieser Markkanal ganz.

Wolle und ihre Aufbereitung

Natuscha

Warum das Schaf seine Wolle lassen muss - die Schur

Es erfordert viel Handarbeit und Umsicht, wenn man aus dem Wollkleid eines Schafes ein Kleidungsstück machen möchte, das unseren Ansprüchen an Mode, Trage- und Pflegekomfort Genüge tut und trotzdem alle wunderbaren Eigenschaften der Wollfaser erhält.

Der erste Schritt auf diesem Weg ist die jährliche Schafschur. Sie dient nicht nur der Gewinnung von Rohwolle, sondern sorgt auch dafür, dass Schafe gesund bleiben.

Im Gegensatz zu ihren wilden Verwandten verlieren Hausschafe ihre Wolle nicht von allein. Die jahrhundertewährende und auf einen immer höheren Wollertrag zielende Zucht hat den natürlichen Fellwechsel fast vollends ausgeschaltet. So machen die aus wirtschaftlichen Erwägungen geschaffenen Veränderungen heute Pflegemaßnahmen notwendig, zu denen auch die Schur gehört. Sie fördert das Wohlbefinden der Schafe, befreit sie von lästigen Parasiten und wirkt stoffwechsel- und appetitanregend.

Früher war es üblich, den Schafen ihre Wolle nur "auszuraufen" und dort einzusammeln, wo sie in Gebüschen hängen geblieben war. Erst mit der Erfindung der Schere (ca. 500 v. Chr.) wurde es den Menschen möglich, das komplette Vlies wegzuschneiden. Heute beträgt der durchschnittliche Rohwollertrag pro Schaf etwa 3,5 bis 4 kg.

Nach dem Entfernen von minderwertiger Wolle wird der Hauptteil des Vlieses in einem Stück geschoren. Es lässt sich nun relativ leicht bereißen und von Pflanzenresten oder verschmutzter Wolle befreien.

Wieso der Wolle eine Wäsche guttut - das Waschen

Saubere und sortierte Wolle, die in kleinen Partien von Hand verarbeitet werden soll, muss nicht unbedingt gewaschen werden. Im Gegenteil: Es war früher gang und gäbe, sortierte Rohwolle direkt zu verspinnen. Das ersparte das mühsame Kämmen nach dem Waschvorgang.

Will man Wolle jedoch länger lagern, färben oder maschinell verarbeiten, führt an einer Wollwäsche kein Weg vorbei. Für einzelne Vliese reicht die Reinigung von Hand. Wo größere Mengen Wolle anfallen, lohnt es, diese in einer speziellen Wollwaschanlage reinigen zu lassen.

Wollwaschanlagen können Wolle nicht nur waschen, sondern wunschweise auch bleichen, mit Mottenschutzmitteln imprägnieren oder auf andere Art und Weise auf die industrielle Fertigung vorbereiten. Beispielsweise lassen sich durch eine chemische Behandlung wie das "Karbonisieren" in der Wolle verbliebene Pflanzenreste vollständig entfernen. Das bezahlt der Käufer jedoch nicht nur mit einem Qualitätsverlust, sondern auch mit einem höheren Preis .

Die Wollwaschanlage der Firma Regensburger erfüllt hohe Umweltansprüche.

Die sogenannte "Waschwolle" ist das Ausgangsprodukt zur Fertigung der eigentlichen Wollprodukte. Ihr Fettgehalt beträgt nach einer industriellen Wäsche ungefähr noch 1%.

Warum das Schaf trotz Wollpracht keine Bürste braucht - das Kämmen

Warum sich Schafe nicht zu kämmen brauchen: Ihre Wolle wächst in sogenannten Stapeln. Das enthaltene Wollfett hält die Wolle im Verbund zusammen und sorgt dafür, dass die einzelnen Fasern trotzdem nicht durcheinandergeraten. Aus diesem Grund braucht das Schaf sich nicht selbst zu putzen und es braucht auch nicht gestriegelt oder gebürstet zu werden.

Wer ein Rohwollvlies zerrissen und gewaschen hat, kommt bei der weiteren Verarbeitung an dem ebenso mühsamen wie aufwendigen Kämmvorgang (auch Kardieren oder Datschen genannt) nicht mehr vorbei. Das Kämmen lockert die einzelnen Wollfasern und bringt sie in eine Richtung. Es entfernt außerdem verbliebene Verschmutzungen und kürzere Faserteile.

Kleinere Mengen Wolle lassen sich mit einer Handkarde oder Handkardiermaschine für das Spinnen oder Filzen vorbereiten. Beim Handkardieren lässt sich die Wolle "öffnen" und in parallele Fasern legen. Kurz- und langhaarige Wollfasern können überdies gesäubert und gemischt werden. Besonders große Freude bereitet auch das Expterimentieren beim Mischen von Fellfarbtönen.

Größere Posten gewaschener und entfetter Wolle kardieren Wollspinnereien und andere wollverarbeitende Betriebe in Lohnarbeit. Je nach Art der Weiterverarbeitung wird die gekämmte Wolle dort als Kammzug, als Kardenband oder als Vlies produziert, um später in allen Farben und Qualitäten auf dem Markt zu landen.

Was es mit den Farben auf sich hat - das Färben

Der Wunsch, sich und seine Umgebung mit Farben zu verzieren, begleitet die Menschheit schon seit ihren Kinderschuhen. Doch was uns als Selbstverständlichkeit erscheint, galt über Jahrtausende hinweg als Luxus: Farbstoffe waren eine Kostbarkeit, die sich das gemeine Volk nicht leisten konnte. So stachen aus dem wenig farbenfrohen Alltag einst nur mit heimischen Pflanzen gefärbte Festtagsgewänder hevor.

Dank einer Errungenschaft der Naturwissenschaften des 19. Jahrhunderts gelang es den Menschen erstmals, aus einem farblosen Stoff (Teerderivat) eine synthetische Farbe herzustellen. Mittlerweile haben sich die Färbetechniken so weit vereinfacht, dass sich schon mit einfachen Farbpulvern und Farbtabletten ein Farbbad zubereiten lässt.

Farbproben

Wer lieber mit Naturfarben färbt, muss Experimentierfreude und Durchhaltevermögen mitbringen. Die Pflanzenfärberei ist eine Wissenschaft für sich und erfordert nicht nur Erfahrung, sondern auch einiges an Zeit. Hinzu kommt, dass sie sich dort, wo sie mit der Leuchtkraft oder der Licht-, Reib- und Waschechtheit synthetischer Fasern konkurrieren will, chemischer Hilfsmittel bedienen muss. Die sind nicht immer unbedenklich und lassen oft die Filzfähigkeit der Wolle leiden.

Färben mit Naturfarben - ein einfaches Grundrezept

Als Faustregel fürs Färben gilt: Für 100 g Wolle benötigt man 100-200 g getrocknete Pflanzen und einen ausreichend großen Topf. Zunächst die Wolle mit einem Beizmittel (wie Alaun) 1 Stunde kochen, damit sich die Farbe später an die Wolle binden kann. Aus den Pflanzen durch vorsichtiges Köcheln einen Farbsud herstellen und mit kaltem Wasser auffüllen. In diese Farbbrühe einen Sack aus Mull oder Gardinenstoff hängen, die Wolle hineingeben, wieder köcheln und erneut abkühlen lassen. Danach gut spülen und zum Trocknen aufhängen.

Wolle und ihre Verarbeitung

Spinnen - gut verdrillt ist halb gesponnen

Schon früh begannen unsere Urahnen damit, lose Wolle zu einem festen Faden zu spinnen, um daraus Textilien mit einem geordneten Fadensystem herzustellen - beispielsweise gewebte oder gestrickte Stoffe. Das Grundprinzip beim Spinnen blieb in allen Kulturen das gleiche: Lose Fasern werden unter leichtem Zug zu einem Faden verdrillt.

Kleine Geschichte des Spinnens

Wann genau die Menschheit ihre ersten Fäden spann, ist schwer zu ermitteln. Forscher nehmen an, dass bereits in der Altsteinzeit die ersten Pflanzenfasern und Haarbüschel von wildlebenden Tieren zu primitiven Fäden und Schnüren verarbeitet wurden. Die Menschen nutzten sie, um damit Dinge zu umwickeln und zu nähen.

Als erstes Spinnwerkzeug vermutet man einen Holzstab, wie er noch heute in Tibet verwendet wird. Dem Spinnstab folgte der sogenannte Spinnwirtel, der mittels seiner Schwungmasse den Spinnstock in der Regel frei hängend rotieren ließ.

Man geht davon aus, dass das eigentliche Spindel- bzw. Spinnrad in den Hochkulturen Asiens schon früh bekannt war, jedoch noch keine Verbreitung fand. Im Mittelalter wurde es hierzulande sogar als "Teufelswerk" verboten.

Sein erster Vorläufer war das sogenannte Handrad: Während die eine Hand das große Schwungrad drehte, musste die andere den Faden spinnen. Ihm folgte das fußbetriebene Spinnrad mit Flügel, mit dem sich der Faden nicht nur spinnen, sondern auch aufwickeln ließ.

Im 18. Jahrhundert begann mit der Erfindung neuer Spinnradgenerationen schließlich die Massenproduktion, im Zuge derer Stoffe und Kleidung günstiger wurden.

Weben - Kettfäden mit Schuss

Das Weben gehört zu einer der einflussreichsten Erfindungen unserer Kultur. Sie hat ihren Ursprung in der Korbflechterei. Der Schritt vom Ineinanderflechten von Ästen und Zweigen zum textilen Weben war groß: Er setzte ein Fasermaterial voraus, das nicht von der Natur geliefert wurde, sondern aus Naturmaterialien hergestellt und zu einem Endlosfaden verarbeitet werden musste. Mit der Lösung dieser Herausforderung begann die eigentliche Webkultur. Deren Grundprinzip ist das Verflechten zweier Fadenreihen, die im rechten Winkel zueinander verlaufen. Der Trick: Die eine Fadenreihe (Kettfäden) ist verspannt, während die andere (der Schuss) beim Weben erst Reihe für Reihe eingebracht wird. Das Ergebnis dieses Grundprinzips heißt bis heute Gewebe. Es kann auf Webrahmen, Webstühlen oder freihändig auf einem Webbrettchen hergestellt werden.

Die ersten Webstühle

Zu den ersten Webstühlen zählen sogenannte Gewichtswebstühle, deren Existenz sich wenigstens bis in die Jungsteinzeit hinein verfolgen lässt: Ein senkrecht stehendes Gerüst, bei dem die Kettfäden von einem Querbalken am Kopfende der Standpfosten herunterhingen und mithilfe von Gewichten gespannt wurden. Dieser "Urwebstuhl" wurde im Laufe der Jahrtausende immer weiter optimiert und mit dem 18. Jahrhundert bis hin zur Webmaschine automatisiert.

Knüpf- und Schlingtechniken - die Kunst des Schlaufenziehens

Alte Flecht-, Knüpf- und Schlingtechniken als Vorläufer des Strickens und des Häkelns sind weitgehend in Vergessenheit geraten. Sie dienten der Herstellung von Körben, Netzen und Kleidungen und sind in allen Teilen der Welt bekannt.

Beim Nadelbinden wird beispielsweise mit einer flachen Nähnadel aus Holz oder Horn ein Faden so durch die vorherigen Schlingen gezogen, dass dabei eine neue Schlinge entsteht. Mit jedem Ende vom Arbeitsfaden wird wieder ein neuer Faden eingearbeitet.

Stricken und Häkeln - Strickwahn und Häkelkunst

Stricken und Häkeln werden im Fachjargon als "ziehschlingen- und maschenbildende Techniken" bezeichnet. Sie waren schon zu Zeiten der Griechen und alten Römer bekannt, gerieten jedoch nördlich der Alpen lange Zeit in Vergessenheit.

Beim Stricken werden zwei oder mehrere dünne Stäbe (Stricknadeln) benutzt, um durch bestehende Schlaufen neue Schlaufen zu ziehen. Dadurch entsteht ein ebenso dehnbares wie belastbares Gebilde aus Maschen.

Kleine Strickchronik

Die früheste Erwähnung des gewerblichen Strickens datiert aus dem Jahr 1269 in Paris. Von hier ausgehend prägten vor allem gestrickte "Beinlinge", körperbetonte Beinkleider und Strümpfe für mehrere Jahrhunderte die Männermode. Schon 1589 wurde vom englischen Pfarrer William Lee die erste "Strumpfstrickmaschine" konstruiert. Sie wurde zum Vorboten der Mechanisierung im Textilhandwerk.

Häkelgeschichte(n)

Das Häkeln ist eine viel jüngere Technik als das Stricken. Die ältesten bekannten Häkelstücke datieren frühestens aus dem 18. Jahrhundert. In der Zeit der Renaissance war das Häkeln in bürgerlichen, bäuerlichen und adeligen Häusern jedoch bereits weit verbreitet - wobei unter den geschickten Händen der häkelnden Frauen zu jener Zeit vorwiegend spitzenähnliche Stoffe entstanden. Bis heute werden Häkelarbeiten trotz vorhandener Maschinen in der Regel von Hand ausgeführt.

Im Unterschied zur glatten Stricknadel hat die Häkelnadel an ihrer Spitze einen Widerhaken, mithilfe dessen der Faden durch bereits gearbeitete Maschen gezogen wird und ein zusammenhängendes Maschengebilde entsteht.